Inszenierung
Eine große Geschichte und eine große Musik sollen in einer ungewöhnlichen Form dargeboten werden.
Die ergreifende Erzählung von Jesu Gefangennahme, Verhör, Leiden und Tod nach den Worten des Evangelisten Johannes in der unsterblichen Vertonung Johann Sebastian Bachs wird im April 2011 in der Kreuzkirche als multimediales Musiktheater aufgeführt werden.

Eine szenische Umsetzung bietet naturgemäß die Chance einer Erweiterung, die über das übliche Hörerlebnis hinausgehen kann. Die Charaktere der handelnden Personen, nicht nur des Jesus, sondern auch
der bedeutsamen Figuren des geliebten Petrus, des Verräters Judas und besonders der des verunsicherten
Pontius Pilatus gewinnen in der musiktheatralischen Darbietung zusätzliche Dimension. Chor, Tänzer und
Statisten akzentuieren durch Gestik und Bewegung dramatische und lyrische Momente des Geschehens.

Nicht zuletzt spielt der eindrucksvolle Sakralraum der Kreuzkirche eine gewichtige Rolle als Mitakteur des
Geschehens. Eine Art Rundbühne nimmt teilweise das Hauptschiff ein und wird von den Besuchern umringt.
Innerhalb dieser unkonventionellen Bühnenanordnung wird das Orchester im Wortsinn eines "dramma per musica" das Zentrum bilden. Mit professioneller
Bühnen-Bild-Technik und differenzierter Ausleuchtung bis hin zu filmischen Projektionen soll so das Erscheinungsbild des Raumes und der Spannungsverlauf
der Handlung in geeigneter Weise unterstrichen werden.
Szenische Realisierungen bedeutender Sakralmusik sind in der Kreuzkirche kein Novum. So fanden bereits
neben Buxtehudes "Jüngstes Gericht" und Händels "Jephta" fünf Aufführungen der Bach'schen Matthäuspassion als "geistliche Oper" große Resonanz. An diese "Tradition" wollen wir anknüpfen.
Bei einem derartigen, frei produzierten Großunternehmen steht das gemeinschaftliche Erfinden und Gestalten im Vordergrund. Dafür braucht es aber neben dem Knowhow zahlreicher künstlerischer Mitarbeiter
einen enormen Kraftaufwand und eine außerordentliche Einsatzbereitschaft zahlreicher Mitstreiter, um
ein Gesamterlebnis kreieren zu können, das dann weit über die Bonner Kreuzkirchengemeinde hinaus wirken kann.
Christoph G. Amrhein